WhiteWall Magazin

S/W - Kontrast

Leuchtturm
Leuchtturm

Das Bild des Leuchtturms wurde nach Sonnenuntergang an einem bedeckten Tag aufgenommen, der Kontrast ist sehr gering, die Tonwerte im Histogramm liegen hauptsächlich in der Mitte.
Info: 65 mm | f7,1 | 1/60 s | ISO 400 | APS-C-Sensor

Histogramm Leuchtturm

Der Kontrast beschreibt die Helligkeitsverteilung im Bild. Bei geringem oder weichem Kontrast liegen die meisten Tonwerte in einem engen Bereich und setzen sich nicht stark voneinander ab. Bei Farbbildern lässt die Farbstimmung oft vergessen, dass der Helligkeitskontrast gering ist. Schwarzweissbilder wirken bei geringem Kontrast meist flau, es sei denn, der Tonwertumfang liegt hauptsächlich in den Lichtern (High Key) oder in den Schatten (Low Key).
Ein hoher oder harter Kontrast ist in der Schwarzweissfotografie eher selten ein Problem. In der Farbfotografie würden die Farben dagegen unnatürlich wirken, wenn der Kontrast zu stark wird. In der Schwarzweissfotografie wird sogar ein Ausfressen der Lichter oder ein Zulaufen der Schatten toleriert, wenn es zum Motiv passt. Im Normalfall sollten Sie aber darauf achten, dass der Tonwertumfang im Bild nicht überschritten wird, von kleinen Spitzlichtern abgesehen. Den Kontrast können Sie in der Schwarzweissfotografie sehr weitgehend steuern. Sie haben zwar nur wenig Einflussmöglichkeiten bei der Ausarbeitung eines Schwarzweissbildes, aber diese lassen Ihnen einen grossen Spielraum.

Truck
Truck 2

Der Pickup steht in der harten Mittagssonne in Südfrankreich. Gleissendes Sonnenlicht und tiefe Schatten erzeugen einen harten Kontrast. Das Histogramm nutzt den gesamten Tonwertumfang und hat Spitzen an den Enden.
Info: 20 mm | f11 | 1/200 s | ISO 125

Histogramm Truck
Leuchtturm 2

Die Aufnahme des Leuchtturms wurde nachbearbeitet, um den Kontrastumfang ganz auszunutzen. Die Wolken, die in der ersten Version kaum zu sehen sind, treten jetzt deutlich hervor.

Histogramm Leuchtturm 2

Gradation

Die Gradation beschreibt, wie steil die Helligkeitskurve einer Tonwertumsetzung ansteigt. Zu analogen Zeiten hat man die Gradation über die Filmentwicklung und die Wahl des Fotopapiers gesteuert. Wenn ein Film stärker belichtet wurde und kürzer entwickelt, wurde das Negativ weicher (kontrastärmer), als wenn man den Film unterbelichtete und länger entwickelte (Pushen genannt), weil damit die nutzbare Empfindlichkeit erhöht werden konnte.

Schiff_1

Ebenso gab es Papiersorten der Gradation 0 (sehr weich) bis Gradation 5 (sehr hart). So konnte man ein weiches oder sehr hartes Negativ mit dem Papier ausgleichen, hatte aber auch einen grossen Gestaltungsspielraum für die Kontrastwahl. In der digitalen Fotografie können Sie die Gradation beliebig steuern. Wenn Sie die Gradationskurve in Photoshop (BILD • KORREKTUREN • GRADATIONSKURVEN) in den Schatten (1) anheben und in den Lichtern (2) absenken, dann verläuft sie in der Mitte flacher als die 45° einer unkorrigierten Kurve – das Bild erscheint weich und kontrastarm.

Schiff_2

Eine unkorrigierte Gradationskurve bildet jeden Tonwert auf sich selbst ab und verändert nichts. Sie können eine Gradationskurve sehr weitgehend und mit sehr vielen verschiedenen Punkten steuern. Diese Vorgehensweise kann ein Bild aber auch schnell zerstören. Wenn zum Beispiel unterschiedliche Tonwerte auf denselben Wert abgebildet werden, wirkt das Bild nicht mehr fotografisch.
Wenn Sie die Lichter anheben und die Schatten absenken (3), wird die Kurve steiler und das Bild härter. Da Sie die Endpunkte nicht verändert haben, bleibt der Kontrastumfang erhalten, das heisst, es kommt nicht zu ausgefressenen Lichtern oder zugelaufenen Schatten. Die Steuerungsmöglichkeiten sind deutlich einfacher als in der analogen Fotografie.

Schiff_3

Mit der Gradationskurve können Sie den Kontrast Ihrer Bilder wie früher mit der Wahl der Papiergradation steuern. Die 45°-Gerade entspricht der normalen Gradation (1), die Kurve mit angehobenen Schatten und abgesenkten Lichtern der Gradation »weich« (2) und die Kurve mit abgesenkten Schatten und angehobenen Lichtern der Gradation »hart« (3).

Partialkontrast verbessern

Unter Partialkontrast versteht man den Kontrast der einzelnen Bildbereiche zueinander. Er ist wichtig für die Differenzierung der Bildelemente und einen angenehmen Bildeindruck. Sie können den Partialkontrast erhöhen, indem Sie den Gesamtkontrast erhöhen. Das führt allerdings manchmal dazu, dass der Kontrast insgesamt als zu hoch empfunden wird.

Das Beispielbild (4) ist eine Ansicht eines mallorcinischen Küstenabschnitts. Am Aufnahmetag herrschte eine leicht gewittrige Stimmung, die Luftperspektive lässt die einzelnen Landzungen auf dem Bild nach hinten hin immer heller erscheinen. Trotzdem trennen sich die Bereiche gerade in der Mitte nicht besonders gut, und das Bild erscheint etwas zu weich.

Landschaft_1

In Bild (5) wurde die Gradation erhöht, und die Trennung ist jetzt gut, aber die Lichtstimmung geht verloren. Im Himmel ist kaum noch Zeichnung, das Bild ist etwas zu hart geworden. Es funktioniert zwar noch als Foto, aber es gibt eine veränderte Lichtstimmung wieder.

Landschaft_2

Bei Bild (6) ist der Partialkontrast ähnlich hoch wie beim zweiten. Der Gesamtkontrast ist jedoch nur wenig höher als beim ersten Bild, die Stimmung wurde erhalten und die Schwarzweissumsetzung trotzdem verbessert. Wie können Sie das erreichen? Sie benötigen dafür eine lokale Kontraststeigerung, ohne den globalen Kontrast zu stark zu verändern. Der Trick heisst Unscharf maskieren – dieser Photoshop-Filter wird dabei aber anders als üblich verwendet. Mit einem kleinen Radius von 0,8–1,5 Pixeln und einer Stärke von 150 % (übliche Werte für die Scharfzeichnung, dem Standardeinsatzbereich diese Filters) erreichen Sie eine deutliche Verstärkung der Kantenschärfe.

Landschaft_3

Wenn Sie nun stattdessen einen sehr grossen Radius wählen und die Stärke dafür gering halten, erhöhen Sie den Partialkontrast. Der Radius muss so gross sein, dass man ihn nicht mehr als Schein um die Kanten wahrnimmt. In diesem Beispiel wurde ein Radius von 100 Pixeln bei einer Stärke von 25 % verwendet. Diese Werte sind auf eine Bildgrösse von 3 Megapixeln bezogen, bei grösseren Bildern kann es manchmal sinnvoll sein, den Radius weiter zu erhöhen.

Das erste Bild wirkt etwas flau, den Kontrast insgesamt zu erhöhen, führt zu ausgefressenen Lichtern. Wenn Sie allerdings den Partialkontrast mit der hier gezeigten Methode steigern, trennen sich die Bildelemente deutlich besser, ohne dass der Gesamtkontrast Probleme bereitet.
Info: 190 mm | f6,3 | 1/1250 | ISO 100

Unscharf maskieren

Nachbelichten

Bei der analogen Schwarzweissvergrösserung schattet man das Licht des Vergrösserers oft im manchen Bereichen ab (diesen Prozess nennt man Abwedeln), während andere nachbelichtet werden. So hat man weitergehende Steuerungsmöglichkeiten für die Tonwerte und kann mit härterem Fotopapier arbeiten, weil man so die Schatten und Lichterbereiche wieder in den Tonwertumfang des Papiers zurückholen kann. Für den Digitalfotografen erscheint es im ersten Moment vielleicht etwas paradox, dass Nachbelichten das Bild dunkler macht und Abwedeln heller. Aber die analoge Schwarzweisstechnik ist eine Negativtechnik. Das Silber wird nach der Entwicklung dort dunkel, wo es belichtet wurde. Und so ergibt ein Filmnegativ, das auf Negativpapier belichtet wurde, ein Positiv. In Photoshop haben Sie das Abwedler-Werkzeug und das Nachbelichter-Werkzeug zur Verfügung. Die Symbole sind für Fotografen mit Dunkelkammererfahrung fast selbsterklärend. Der Abwedler erinnert an eine Pappschablone am Draht, mit der man bestimmte Bildbereiche abschattet, um sie aufzuhellen. Der Nachbelichter ist eine zum Loch geformte Hand, mit der man zusätzliches Licht nach der Standardbelichtungszeit nur noch auf ausgewählte Bereiche gibt.

Diese Aufnahme wurde in Photoshop gelb gefiltert, trotzdem sind die Tonwerte noch nicht optimal.
Info: 135 mm | f8,0 | 1/320 s | ISO 100

Barfleur Original

In dieser zweiten Version wurden der Himmel und Teile der Kirche nachbelichtet und die Schattenbereiche leicht abgewedelt. Die Tonwerte wirken harmonischer.

Barfleur Original Nachbelichtet

Im Unterschied zur Dunkelkammer können Sie in Photoshop den Wirkungsbereich der Werkzeuge auf die Tiefen, Mitteltöne oder Lichter beschränken. Die Werkzeuge haben den Nachteil, dass sie leicht einen »gemalten« Eindruck erzeugen. Sie sollten deshalb die Belichtung auf niedrige Prozentzahlen einstellen (5–12 %) und lieber mehrfach leicht versetzt über die zu bearbeitenden Bereiche malen. Noch feiner lassen sich die Werkzeuge abstufen, wenn Sie ein Grafiktablett mit einem drucksensitiven Stift anstelle der Maus einsetzen. Selbst die günstigen Amateurgeräte (etwa die Bamboo-Reihe von Wacom) bieten schon grosse Vorteile gegenüber einer Maus. Eine andere Methode, um die Helligkeit von Bildbereichen zu verändern, ist, eine weiche Auswahl zu erstellen und diese dann über die Gradationskurven abzudunkeln oder aufzuhellen. Für grössere Bildbereiche ist diese Technik vorzuziehen, weil Sie so leichter einen natürlichen Eindruck erzeugen können.

In dieser Abbildung wurde der Bereich des Felsens mit dem Polygon-Lasso ausgewählt, eine Weiche Auswahlkante von 120 Pixeln erzeugt und dann eine neue Einstellungsebene für die Gradationskurven angelegt. Dort wurden dann die entsprechenden Bereiche dunkler gezogen. Wie diese Arbeitsschritte im Detail in Photoshop ausgeführt werden, können Sie anhand eines praktischen Beispiels im folgenden Abschnitt nachvollziehen.

In diesem Bild zieht der helle Felsen vorne links den Blick zu sehr an, er soll abgedunkelt werden, damit der Kirchturm bildwichtiger wird.

Olargues Original

Das Bild wird über eine Einstellungsebene partiell abgedunkelt und über eine weitere in Schwarzweiss umgewandelt. Auf diese Weise bleiben Sie frei in den Bearbeitungsmöglichkeiten, weil die Originaldaten immer erhalten werden.

Olargues Nachbelichtet